Donnerstag, 29. März 2018

Wochenrückblick von Freitag, dem 23.03.2018, bis Donnerstag, dem 29.03.2018.


Winterliche Temperaturen und immer wieder auflebender Wind aus nördlichen Richtungen sorgten für Verhältnisse wie in Wintermonat Jänner. Am Freitag wurden geringe Neuschneemengen in den nordwestlichen Hohen Tauern gemessen. Das Wochenende verlief durch den Hochdruckwettereinfluss wolkenlos und mit strahlendem Sonnenschein. Am Montag war in den nordwestlichen Gebirgsgruppen der Himmel bedeckt und in hohen Lagen der Hohen Tauern wurden bis zu 15 cm Neuschnee gemessen. Dienstag, Mittwoch und  Donnerstag waren abwechselnd bewölkt und der Himmel war in den Bergen meist bedeckt. Ab Mittwoch brachte eine Warmfront etwas wärmere Luftmassen in die Kärntner  Gebirgsgruppen und die Nordwestströmung drehte auf Südwest mit Regen und Schneefall am Donnerstag ab 1400 m in den südöstlichen Gebirgsgruppen.
 
Windspuren an der Schneedecke in den Hohen Tauern - Jamnigalm
Der Wind als Baumeister der Lawine wie hier auf der Jamnigalm in Mallnitz. Eine Abrisshöhe bis zu 230 cm
 
 
Durch die winterlichen Temperaturen und durch den immer wieder auflebenden Wind aus nördlichen Richtungen wurde  in der letzten Woche der Triebschnee zum Hauptproblem. Der windverfrachtete  Schnee lagerte meist auf einer verharschten Altschneedecke mit mehreren Krusten und auch darunterliegenden aufbauenden  lockeren, großen Schneekristallen. Die Schneedeckenuntersuchungen nach den Lawinenunfällen am Donnerstag und am Sonntag bestätigten das Triebschneeproblem. Frischer störanfälliger Triebschnee und durch die winterlichen Temperaturen war die Triebschneeansammlung auch noch sehr spröde. Am Dienstag und Mittwoch schneite es in den Hohen Tauern und es wurden Neuschneemengen, vor allem im Bereich Ankogel bis zu 15 cm gemessen. Der Neuschnee wurde wieder vom Wind verfrachtet und frische Triebschneeansammlungen gebildet, die teils auf lockerem Pulverschnee abgelagert wurden. Dennoch kann in hohen Lagen noch lockerer, überwehter Pulverschnee eine mögliche Schwachschicht für frischen Triebschnee bilden.
Lawine Fleißtal in Heiligenglut mit ersichtlichen Triebschneeansammlungen
(Bild: AEG und FEST Klagenfurt)
 
Meist herrschte in den Kärntner Gebirgsgruppen MÄSSIGE Lawinengefahr. Durch den Neuschnee am Dienstag in den Hohen Tauern stieg die Lawinengefahr auf ERHEBLICH an.
Triebschneeproblem

Altschneeproblem ab Dienstag
 
Zu den beiden Lawinenunfällen dürfen wir noch die Lawinentypische Situation beschreiben:
 

 
1.)    Lawinenunfall auf der Jamnigalm in der Gemeinde Mallnitz am Donnerstag, den      22.  März 2018
 
Kurzanalyse:
 
 
Der Alpinist war vormittags zu einer Schitour auf die Hagener Hütte im Tauerntal in der Gde. Mallnitz aufgebrochen. Bei der Abfahrt wählte er im Bereich der Jamnigalmhütte einen steilen Südosthang aus. Der Hang ist an einer windexponierten Stelle und dabei kommt es bei einer starken Nordwestströmung zu starken Triebschneesammlungen. In den Tagen davor kehrte der Winter durch eine neuerliche Störung aus Norden zurück.  Die Tage vor dem Unfall schneite es immer wieder. 30 cm Neuschnee wurden bis zum Dienstag, dem 20. März 2018 gemessen mit  Temperaturen in 2000 m bis zu -13 Grad. Der lockere Schnee wurde durch den immer wieder auflebenden Wind aus nordwestlicher Richtung verfrachtet. Die Triebschneesammlungen waren durch die winterlichen Temperaturen sehr spröde und störanfällig. Bereits zwei Tage vor dem Unfall wurde im Gebiet der Jamnigalm spontane Schneebrettlawinen beobachtet.
Lawinentypische Situation:
Der Wind und lockere Schnee der letzten Niederschlagsperioden haben das Triebschneeproblem verschärft. Durch den teils stürmischen Wind aus nordwestlichen Richtungen und lockerer Schnee  wurden vereinzelt Triebschneeablagerungen in Rinnen und Mulden, sowie an windexponierten Stellen, auf einer gut aufgebauten  Altschneedecke gebildet. Es herrschte MÄSSIGE Lawinengefahr in den Hohen Tauern mit dem typischen Lawinenproblem „Triebschnee“. Erwähnt wurde auch im LLB das Triebschneeproblem wodurch eine Lawinenauslösung bereits durch eine geringe Zusatzbelastung erfolgen kann.
„Das Hauptproblem sind die frischen Triebschneeablagerungen die auf Grund der Kälte auch sehr spröde sind und oft auch noch durch eine geringe Zusatzbelastung gestört werden können“ LLB v. 22. März 2018.
Durch die Nordwestströmung wurde Schnee von der Luv Seite in die OSO Seite (Lee Seite) verfrachtet. Am Tag des Unfalles schien die Sonne und es herrschten traumhafte Bedingungen für Schitourengeher. Auch die Gefahrenstellen waren zu erkennen.  Bei der Abfahrt löste der Wintersportler die Schneebrettlawine mit einer Anrisshöhe von 15 cm bis 230 cm aus. Vermutlich hat er bei der Einfahrt in den Steilhang am Übergang von  wenig zu mehr Schnee die Schneebrettlawine ausgelöst. Am Unfalltag wurde durch die AEG Spittal/Drau und des LWD - K ein Schneeprofil erstellt. Die Bruchfortpflanzung war an der im Schneeprofil dargestellten härteren Kruste mit darunterliegenden aufgebauten, großen, lockeren und kantigen Schneekristallen.
 
2.)    Lawinenunfall neben der Skiroute Fleißtal im Schigebiet Heiligenblut am Großglockner am Sonntag, den 25. März 2018
 
Kurzanalyse:
Der Alpinist war vormittags im Schigebiet Heiligenglut am Großglockner alleine als Freerider unterwegs. Abseits der Skiroute Fleißtal – nördlich von der markierten Skiroute Nr. 2 Fleißtal – wählte der Freerider einen sehr steilen Südosthang zur Abfahrt aus. Er dürfte unterhalb der Schneebrettanrissstelle die Lawine ausgelöst haben. Der Hang liegt an einer windexponierten Stelle und dabei kommt es bei einer starken Nordwestströmung zu starken Triebschneesammlungen. Der immer wieder auflebende und kalte Nordwestwind verfrachtete den lockeren Schnee und erodierte auch die Altschneedecke. Die Windspuren waren durch Schneeablagerungen und Windgangeln sehr deutlich erkennbar.  Die Triebschneesammlungen waren durch die winterlichen Temperaturen sehr spröde und störanfällig.
 
Lawinentypische Situation:
Der Wind als Baumeister der Lawine! Lockeren Schnee verfrachtete der Wind aus nordwestlichen Richtungen und sorgte für mittlere Triebschneesammlungen. Die Triebschneesammlungen waren durch die winterlichen Temperaturen sehr spröde und störanfällig und lagerten auf einer Altschneedecke mit einer Harschkruste. Unterhalb der Harschkruste endstand durch die aufbauende Umwandlung eine Schicht von kantigen, lockeren und großen Schneekristallen. Es herrschte MÄSSIGE Lawinengefahr in den Hohen Tauern mit dem typischen Lawinenproblem „Triebschnee“.  Durch die Nordwestströmung wurde Schnee von der Luv Seite in die OSO Seite (Lee Seite) verfrachtet. Die Gefahrenstellen bzw. Triebschneesammlungen waren zu erkennen.  Ein Schneeprofil wurde nach dem Unfalltag, am Montag, den 26.03.2018 durch den BetriebsleiterStv. der Bergbahnen Heiligenblut/Großglockner und dem LWD - K erstellt. Die Bruchfortpflanzung war an der im Schneeprofil  dargestellten etwas weicheren Kruste mit darunterliegenden aufgebauten, großen, lockeren und kantigen Schneekristallen. Der Alpinist hat vermutlich die Schneebrettlawine nicht im Anrissbereich sondern an einer tiefer liegenden Stelle mit einer geringeren Schneehöhe ausgelöst.

 


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